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  • »Frank "der Katz"« ist der Autor dieses Themas

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Mittwoch, 8. August 2012, 16:14

Manifest gegen die Arbeit

1. Die Herrschaft der toten Arbeit

Ein Leichnam beherrscht die Gesellschaft – der Leichnam der Arbeit. Alle Mächte rund um den Globus haben sich zur Verteidigung dieser Herrschaft verbündet: Der Papst und die Weltbank, Tony Blair und Jörg Haider, Gewerkschaften und Unternehmer, deutsche Ökologen und französische Sozialisten. Sie alle kennen nur eine Parole: Arbeit, Arbeit, Arbeit!

Wer das Denken noch nicht verlernt hat, erkennt unschwer die Bodenlosigkeit dieser Haltung. Denn die von der Arbeit beherrschte Gesellschaft erlebt keine vorübergehende Krise, sie stößt an ihre absolute Schranke. Die Reichtumsproduktion hat sich im Gefolge der mikroelektronischen Revolution immer weiter von der Anwendung menschlicher Arbeitskraft entkoppelt – in einem Ausmaß, das bis vor wenigen Jahrzehnten nur in der Science-fiction vorstellbar war. Niemand kann ernsthaft behaupten, daß dieser Prozeß noch einmal zum Stehen kommt oder gar umgekehrt werden kann. Der Verkauf der Ware Arbeitskraft wird im 21. Jahrhundert genauso aussichtsreich sein wie im 20. Jahrhundert der Verkauf von Postkutschen. Wer aber in dieser Gesellschaft seine Arbeitskraft nicht verkaufen kann, gilt als “überflüssig” und wird auf der sozialen Müllhalde entsorgt.

Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen! Dieser zynische Grundsatz gilt noch immer – und heute mehr denn je, gerade weil er hoffnungslos obsolet wird. Es ist absurd: Die Gesellschaft war niemals so sehr Arbeitsgesellschaft wie in einer Zeit, in der die Arbeit überflüssig gemacht wird. Gerade in ihrem Tod entpuppt sich die Arbeit als totalitäre Macht, die keinen anderen Gott neben sich duldet. Bis in die Poren des Alltags und bis in die Psyche hinein bestimmt sie das Denken und Handeln. Es wird kein Aufwand gescheut, um das Leben des Arbeitsgötzen künstlich zu verlängern. Der paranoide Schrei nach “Beschäftigung” rechtfertigt es, die längst erkannte Zerstörung der Naturgrundlagen sogar noch zu forcieren. Die letzten Hindernisse für die totale Kommerzialisierung aller sozialen Beziehungen dürfen kritiklos hinweggeräumt werden, wenn ein paar elende “Arbeitsplätze” in Aussicht stehen. Und der Satz, es sei besser, “irgendeine” Arbeit zu haben als keine, ist zum allgemein abverlangten Glaubensbekenntnis geworden.

Je unübersehbarer es wird, daß die Arbeitsgesellschaft an ihrem definitiven Ende angelangt ist, desto gewaltsamer wird dieses Ende aus dem öffentlichen Bewußtsein verdrängt. So unterschiedlich die Methoden der Verdrängung auch sein mögen, sie haben einen gemeinsamen Nenner: Die weltweite Tatsache, daß sich die Arbeit als irrationaler Selbstzweck erweist, der sich selber obsolet gemacht hat, wird mit der Sturheit eines Wahnsystems in das persönliche oder kollektive Versagen von Individuen, Unternehmen oder “Standorten” umdefiniert. Die objektive Schranke der Arbeit soll als subjektives Problem der Herausgefallenen erscheinen.

Gilt den einen die Arbeitslosigkeit als Produkt überzogener Ansprüche, fehlender Leistungsbereitschaft und Flexiblität, so werfen die anderen “ihren” Managern und Politikern Unfähigkeit, Korruption, Gewinnsucht oder Standortverrat vor. Und schließlich sind sich alle mit Ex-Bundespräsident Roman Herzog einig: Es müsse ein sogenannter “Ruck” durch das Land gehen, ganz so, als handelte es sich um das Motivationsproblem einer Fußballmannschaft oder einer politischen Sekte. Alle sollen sich “irgendwie” gewaltig am Riemen reißen, auch wenn der Riemen längst abhanden gekommen ist, und alle sollen “irgendwie” kräftig anpacken, auch wenn es gar nichts mehr (oder nur noch Unsinniges) zum Anpacken gibt. Der Subtext dieser unfrohen Botschaft ist unmißverständlich: Wer trotzdem nicht die Gnade des Arbeitsgötzen findet, ist selber schuld und kann mit gutem Gewissen abgeschrieben oder abgeschoben werden.

Dasselbe Gesetz des Menschenopfers gilt im Weltmaßstab. Ein Land nach dem anderen wird unter den Rädern des ökonomischen Totalitarismus zermalmt und beweist damit immer nur das eine: Es hat sich an den sogenannten Marktgesetzen vergangen. Wer sich nicht bedingungslos und ohne Rücksicht auf Verluste dem blinden Lauf der totalen Konkurrenz “anpaßt”, den bestraft die Logik der Rentabilität. Die Hoffnungsträger von heute sind der Wirtschaftsschrott von morgen. Die herrschenden ökonomischen Psychotiker lassen sich dadurch in ihrer bizarren Welterklärung nicht im geringsten erschüttern. Drei Viertel der Weltbevölkerung sind bereits mehr oder weniger zum sozialen Abfall erklärt worden. Ein “Standort” nach dem anderen stürzt ab. Nach den desaströsen “Entwicklungsländern” des Südens und nach der staatskapitalistischen Abteilung der Weltarbeitsgesellschaft im Osten sind die marktwirtschaftlichen Musterschüler Südostasiens ebenso im Orkus des Zusammenbruchs verschwunden. Auch in Europa breitet sich längst die soziale Panik aus. Die Ritter von der traurigen Gestalt in Politik und Management aber setzen ihren Kreuzzug im Namen des Arbeitsgötzen nur umso verbissener fort.

Zitat

Jeder muß von seiner Arbeit leben können, heißt der aufgestellte Grundsatz. Das Lebenkönnen ist sonach durch die Arbeit bedingt, und es gibt kein solches Recht, wo die Bedingung nicht erfüllt worden.
(Johann Gottlieb Fichte, Grundlagen des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, 1797)
Ironie ist das Körnchen Salz, welches
das Aufgetischte überhaupt erst genießbar macht!

Johann Wolfgang von Goethe

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Mittwoch, 8. August 2012, 17:24



Zitat

"Jeder Aufruhr ist immer nützlich - so erfolglos er immer sein mag."
(Rudi Carrell)

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Donnerstag, 9. August 2012, 13:21

2. Die neoliberale Apartheidsgesellschaft

Eine auf das irrationale Abstraktum Arbeit zentrierte Gesellschaft entwickelt zwangsläufig die Tendenz zur sozialen Apartheid, wenn der erfolgreiche Verkauf der Ware Arbeitskraft von der Regel zur Ausnahme wird. Alle Fraktionen des parteiübergreifenden Arbeits-Lagers haben diese Logik längst klammheimlich akzeptiert und helfen selber kräftig nach. Sie streiten nicht mehr darüber, ob immer größere Teile der Bevölkerung an den Rand gedrängt und von jeder gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen werden, sondern nur noch darüber, wie diese Selektion durchgepeitscht werden soll.

Die neoliberale Fraktion überläßt das schmutzige sozialdarwinistische Geschäft vertrauensvoll der “unsichtbaren Hand” des Marktes. In diesem Sinne werden die sozialstaatlichen Netze abgebaut, um all diejenigen möglichst geräuschlos zu marginalisieren, die in der Konkurrenz nicht mehr mithalten können. Als Mensch wird nur noch anerkannt, wer zur Bruderschaft der feixenden Globalisierungsgewinnler gehört. Alle Ressourcen des Planeten werden ganz selbstverständlich für die kapitalistische Selbstzweckmaschine usurpiert. Wenn sie dafür nicht mehr rentabel mobilisierbar sind, müssen sie brachliegen, selbst wenn daneben ganze Populationen dem Hunger anheimfallen.

Zuständig für den lästigen “Humanmüll” sind die Polizei, die religiösen Erlösungssekten, die Mafia und die Armenküchen. In den USA und in den meisten Staaten Mitteleuropas sitzen inzwischen mehr Menschen im Gefängnis als in jeder durchschnittlichen Militärdiktatur. Und in Lateinamerika werden täglich mehr Straßenkinder und andere Arme von marktwirtschaftlichen Todesschwadronen gekillt als Oppositionelle in den Zeiten der schlimmsten politischen Repression. Nur noch eine gesellschaftliche Funktion bleibt den Ausgestoßenen: die des abschreckenden Beispiels. Ihr Schicksal soll alle, die sich bei der arbeitsgesellschaftlichen “Reise nach Jerusalem” noch im Rennen befinden, im Kampf um die letzten Plätze immer weiter anstacheln und selbst noch die Masse der Verlierer in hektischer Bewegung halten, damit sie gar nicht erst auf den Gedanken kommen, gegen die unverschämten Zumutungen zu rebellieren.

Doch auch um den Preis der Selbstaufgabe sieht die schöne neue Welt der totalitären Marktwirtschaft für die meisten nur noch einen Platz als Schattenmenschen in der Schattenwirtschaft vor. Sie haben sich als Billigstarbeiter und demokratische Sklaven der “Dienstleistungsgesellschaft” den besserverdienenden Globalisierungsgewinnlern demütig anzudienen. Die neuen “arbeitenden Armen” dürfen den restlichen Business-Men der sterbenden Arbeitsgesellschaft die Schuhe putzen, ihnen verseuchte Hamburger verkaufen oder ihre Einkaufszentren bewachen. Wer sein Gehirn an der Garderobe abgegeben hat, kann dabei sogar vom Aufstieg zum Service-Millionär träumen.

In den angelsächsischen Ländern ist diese Horror-Welt für Millionen bereits Realität, in der Dritten Welt und in Osteuropa sowieso; und in Euro-Land zeigt man sich entschlossen, den bestehenden Rückstand zügig aufzuholen. Die einschlägigen Wirtschaftsblätter machen jedenfalls längst kein Geheimnis mehr daraus, wie sie sich die ideale Zukunft der Arbeit vorstellen: Die Kinder der Dritten Welt, die an verpesteten Straßenkreuzungen die Scheiben der Autos putzen, sind das leuchtende Vorbild “unternehmerischer Initiative”, an dem sich die Arbeitslosen in der hiesigen “Dienstleistungswüste” gefälligst zu orientieren haben. “Das Leitbild der Zukunft ist das Individuum als Unternehmer seiner Arbeitskraft und Daseinsvorsorge” schreibt die “Kommission für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen”. Und: “Die Nachfrage nach einfachen personenbezogenen Diensten ist umso größer, je weniger die Dienste kosten, und das heißt die Dienstleister verdienen.” In einer Welt, in der es noch menschliche Selbstachtung gibt, müßte diese Aussage den sozialen Aufstand provozieren. In einer Welt von domestizierten Arbeitstieren wird sie nur ein hilfloses Nicken hervorrufen.

Zitat

Der Gauner hatte die Arbeit zerstört, trotzdem aber den Lohn eines Arbeiters sich weggenommen; nun soll er arbeiten ohne Lohn, dabei aber den Segen des Erfolgs und Gewinnes selbst in der Kerkerzelle ahnen. [...] Er soll zur sittlichen Arbeit als einer freien persönlichen Tat erzogen werden durch Zwangsarbeit.
(Wilhelm Heinrich Riehl, Die deutsche Arbeit, 1861)
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Sabella

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Donnerstag, 9. August 2012, 14:29

Nicht bös sein, Herr Katz...
aber bei "microelektronische Sowieso"
hab ich aufgehört zu lesen ^^
Zur Beruhigung kann ich aber berichten das ich heute
noch gaaar nichts gearbeitet hab :D
(es sei denn, in der Sonne sitzen, zählt dazu ;-)))
...

5

Donnerstag, 9. August 2012, 17:37

ach kätzchen,hier für jeden ders braucht:

Kritik am Manifest gegen die Arbeit
http://www.umwaelzung.de/manifest.html

Vinnie Jones

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Donnerstag, 9. August 2012, 22:13

Frank der Katz, was soll das, was willst du?

Irgendeinen Text irgendwo hin zu kopieren kann quasi jeder, aber ohne eigene Worte, ohne eine zumindest minimale Art der Bewertung, Relativierung, Bezugnahme o.ä. ist das überflüssig wie ein Kropf. Das verdient maximal eine Reaktion wie Olga sie hier gezeigt hat, daß ebenso unkommentierte Einstellen einer entsprechenden Antithese. Fertig.
Der Grad der Spannung dieses Ablaufes muss dann ebenso nicht weiter kommentiert werden.

Ist es dir also nach dem lesen (und verstehen?) dieses Textes wie Schuppen von den Augen gefallen und du machst aus Überzeugung keinen Finger mehr krumm? (Nur für andere nicht oder generell nicht?)

Oder siehst du den Inhalt eigentlich mehr als kritisch, überlegst dir aber ihn als Rechtfertigung zu benutzen, keinen Finger mehr krumm zu machen?

Oder würdest du gerne keinen Finger mehr krumm machen, traust dich aber alleine nicht so recht und willst so erst mal nach der Resonanz schauen?

Oder wolltest du den Lesern hier nur mal zeigen das es außer facebook, amazon, youporn, BG’s und wetter.de doch noch etwas anderes im Internet zu finden gibt?


Und nun doch noch eine Frage zum Inhalt, ist Haider deswegen umgebracht worden? Oder wie war das?

Sabella

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7

Donnerstag, 9. August 2012, 22:19

Ist Haider nicht bei einem Autounfall gestorben ? :|
...

8

Freitag, 10. August 2012, 00:01

jetzt gehts los ,haider ermordet,911ein inside-job und die katholische kirche ist eh alles schuld! weiter so 8o ...


ich bin in jedem fall vorbereitet!

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Mano Nera

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Freitag, 10. August 2012, 09:30

3. Die neo-sozialstaatliche Apartheid

Die anti-neoliberalen Fraktionen des gesamtgesellschaftlichen Arbeits-Lagers mögen sich zwar mit dieser Perspektive nicht so recht anfreunden, aber gerade für sie steht unverrückbar fest, daß ein Mensch ohne Arbeit kein Mensch ist. Nostalgisch auf die Nachkriegsära fordistischer Massenarbeit fixiert, haben sie nichts anderes im Sinn, als diese verflossenen Zeiten der Arbeitsgesellschaft neu zu beleben. Der Staat soll doch noch einmal richten, wozu der Markt nicht mehr in der Lage ist. Die vermeintliche arbeitsgesellschaftliche Normalität soll durch “Beschäftigungsprogramme”, kommunale Zwangsarbeit für Sozialhilfeempfänger, Standortsubventionen, Verschuldung und andere politische Maßnahmen weitersimuliert werden. Dieser halbherzig aufgewärmte Arbeits-Etatismus hat zwar nicht den Hauch einer Chance, trotzdem bleibt er ideologischer Bezugspunkt für breite, vom Absturz bedrohte Bevölkerungsschichten. Und gerade in ihrer Hoffnungslosigkeit ist die daraus resultierende Praxis alles andere als emanzipatorisch.

Die ideologische Verwandlung der “knappen Arbeit” ins erste Bürgerrecht schließt konsequent alle Nicht-Staatsbürger aus. Die soziale Selektionslogik wird also nicht in Frage gestellt, sondern nur anders definiert: Der individuelle Überlebenskampf soll durch ethnisch-nationalistische Kriterien entschärft werden. “Inländische Tretmühlen nur für Inländer”, schreit es aus der Volksseele, die in der perversen Liebe zur Arbeit noch einmal zur Volksgemeinschaft findet. Der Rechtspopulismus macht aus dieser Schlußfolgerung keinerlei Hehl. Seine Kritik an der Konkurrenzgesellschaft läuft nur auf die ethnische Säuberung in den schrumpfenden Zonen des kapitalistischen Reichtums hinaus.

Dagegen will der gemäßigte Nationalismus sozialdemokratischer oder grüner Prägung zwar die alteingesessenen Arbeitsimmigranten als Inländer gelten lassen und bei kratzfüßigem Wohlverhalten und garantierter Harmlosigkeit sogar zu Staatsbürgern machen. Doch die verschärfte Ausgrenzung von Flüchtlingen aus Ost und Süd kann dadurch nur umso besser populistisch legitimiert und umso geräuschloser betrieben werden – natürlich stets verborgen hinter einem Wortschwall von Humanität und Zivilität. Die Menschenjagd auf “Illegale”, die sich an inländische Arbeitsplätze heranschleichen wollen, soll möglichst keine häßlichen Blut- und Brandflecken auf deutschem Boden hinterlassen. Dafür gibt es den Grenzschutz, die Polizei und die Pufferländer von Schengenland, die alles ganz nach Recht und Gesetz und am besten fernab aller Fernsehkameras erledigen.

Die staatliche Arbeits-Simulation ist schon von Haus aus gewalttätig und repressiv. Sie steht für den unbedingten Willen, die Herrschaft des Arbeitsgötzen auch nach seinem Tod mit allen verfügbaren Mitteln aufrechtzuerhalten. Dieser arbeitsbürokratische Fanatismus läßt die Herausgefallenen, die Arbeits- und Chancenlosen und all diejenigen, die sich aus gutem Grund der Arbeit verweigern, nicht einmal in den ohnehin schon erbärmlich engen Rest-Nischen des abgerissenen Sozialstaats zur Ruhe kommen. Sie werden von Sozialarbeitern und Arbeitsvermittlerinnen ins Licht der staatlichen Verhörlampen gezerrt und zu einem öffentlichen Kotau vor dem Thron des herrschenden Leichnams gezwungen.

Gilt vor Gericht normalerweise der Grundsatz “im Zweifel für den Angeklagten”, so hat sich hier die Beweislast umgekehrt. Wollen sie künftig nicht von Luft und christlicher Nächstenliebe leben, dann müssen die Herausgefallenen jede Schmutz- und Sklavenarbeit und jede noch so absurde “Beschäftigungsmaßnahme” akzeptieren, um ihre bedingungslose Arbeitsbereitschaft zu demonstrieren. Ob das, was sie zu tun bekommen, auch nur im entferntesten einen Sinn hat oder der schieren Absurdität verfällt, ist dabei vollkommen egal. Nur in permanenter Bewegung sollen sie bleiben, damit sie niemals vergessen, nach welchem Gesetz sich ihre Existenz zu vollziehen hat.

Früher haben Menschen gearbeitet, um Geld zu verdienen. Heute scheut der Staat keine Kosten, damit Hunderttausende in absonderlichen “Trainingswerkstätten” oder “Beschäftigungsfirmen” die verschwundene Arbeit simulieren und sich fit für reguläre “Arbeitsplätze” machen, die sie nie erhalten werden. Immer neue und immer dümmere “Maßnahmen” werden erfunden, nur um den Schein zu wahren, daß die leerlaufende gesellschaftliche Tretmühle bis in alle Ewigkeit in Gang bleiben kann. Je sinnloser der Arbeitszwang wird, desto brutaler soll den Menschen ins Hirn gehämmert werden, daß es kein Brötchen umsonst gibt.

In dieser Hinsicht erweisen sich “New Labour” und seine Nachahmer überall in der Welt als durchaus kompatibel mit dem neoliberalen Modell der sozialen Selektion. Durch die Simulation von “Beschäftigung” und das Vorgaukeln einer positiven Zukunft der Arbeitsgesellschaft wird die moralische Legitimation geschaffen, umso härter gegen Arbeitslose und Arbeitsverweigerer vorzugehen. Gleichzeitig drücken staatlicher Arbeitszwang, Lohnsubventionen und sogenannte “ehrenamtliche Bürgerarbeit” die Arbeitskosten immer weiter nach unten. So wird der wuchernde Sektor von Billiglohn und Armutsarbeit massiv gefördert.

Die sogenannte aktive Arbeitspolitik nach dem Modell von “New Labour” verschont nicht einmal chronisch Kranke und alleinerziehende Mütter mit Kleinkindern. Wer staatliche Unterstützung bekommt, wird erst dann aus dem amtlichen Würgegriff entlassen, wenn sein Namensschild am großen Zeh hängt. Der einzige Sinn dieser Zudringlichkeit besteht darin, möglichst viele Menschen davon abzuhalten, überhaupt noch irgendwelche Ansprüche an den Staat zu stellen und den Herausgefallenen derart widerliche Folterwerkzeuge zu zeigen, daß jede Elendsarbeit vergleichsweise angenehm erscheinen muß.

Offiziell schwingt der paternalistische Staat die Peitsche immer nur aus Liebe und in der Absicht, seine als “arbeitsscheu” denunzierten Kinder im Namen ihres besseren Fortkommens streng zu erziehen. Tatsächlich haben die “pädagogischen” Maßnahmen einzig und allein das Ziel, die Klienten aus dem Haus zu prügeln. Welchen anderen Sinn sollte es sonst machen, Arbeitslose zur Spargelernte auf die Felder zwangszuverpflichten? Dort sollen sie polnische Saisonarbeiter verdrängen, die den Hungerlohn nur deswegen akzeptieren, weil er sich durch die Wechselkursverhältnisse für sie zuhause in ein annehmbares Entgelt verwandelt. Den Zwangsarbeitern aber wird mit dieser Maßnahme weder geholfen noch gar irgendeine “Berufsperspektive” eröffnet. Und auch für die Spargelbauern sind die verdrossenen Akademiker und Facharbeiter, mit denen sie beglückt werden, ein einziges Ärgernis. Wenn aber nach dem Zwölfstundentag auf deutschem Mutterboden die blöde Idee, aus Verzweiflung eine Würstchenbude aufzumachen, plötzlich in freundlicherem Licht erscheint, dann hat die “Flexibilisierungshilfe” ihre erwünschte neubritische Wirkung gezeitigt.

Zitat

Jeder Job ist besser als keiner.
Bill Clinton, 1998

Kein Job ist so hart wie keiner.
Motto einer Plakatausstellung der Bundekoordinierungsstelle der Erwerbsloseninitiativen in Deutschland, 1998

Bürgerarbeit soll belohnt werden, nicht entlohnt. [...] Aber wer in Bürgerarbeit tätig ist, verliert auch den Makel der Arbeitslosigkeit und des Sozialhilfeempfängers.
Ulrich Beck, Die Seele der Demokratie, 1997
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DonnyHope

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Freitag, 10. August 2012, 09:39

Ich find diese Disskusion recht interessant. Da das Manifest schon einen kommunistischen tatsch hat,
aber auch Probleme anspricht die wirklich bestehen. wie z.b das immer mehr Maschienen uns gut
bezahlte Arbeitsplätze wegnehmen. Auch die Gegendarstellung mit der Kritik am Manifest hat einige
wahre Worte parat aber auch Faschistische Tendenzen. (nicht die mit kreuz auf dem arm gemeint ist der Faschismus der im Kopf anfängt)

Ich denke da an aussagen wie folgende" Diese absolute Schranke besteht nach Krisis darin, daß es nicht mehr
möglich sein wird, die Arbeitskraft zu verwerten, weil der
Rationalisierungsprozeß derart beschleunigt ist, daß die Produktion
nicht mehr ausreichend ausgedehnt werden kann, um die freigesetzte
Arbeitskraft wieder in die Verwertung zu zwingen."

Da würde mich dann auch mal die Meinung des Forums interessieren, wie das rein vom ethischen Aspekt gesehn wird. Leider bin ich dieser Tage wenig da um mich eingehender diesem einfühlungsvermögenerfordernden Thema mit Fingerspitzen gefühl nähern zu können

Auch dieser Gedanke hier recht unlogisch von beiden seiten, da jeder nur sein beschränktes sicht Feld nutz.

" Das aber ist grundsätzlich in Frage zu stellen. Generell kann die
Reichtumsproduktion im Kapitalismus nicht von der Anwendung menschlicher
Arbeitskraft entkoppelt werden, das ist einer der Widersprüche, in
denen sich das Kapital bewegen muß: während es fortwährend versucht ist,
die menschliche Arbeitskraft aus dem Produktionsprozeß zu entfernen,
setzt es die Anwendung derselben zum einzigen Maßstab des Wertes. Genau
das ist ja auch der Gedanke von Krisis - weil die kapitalistische
Entwicklung diese Entkopplung fabriziert habe, sei sie nun an ihrem
logischen wie historischen Ende angelangt."

Der von Krisis angeführte abgeschloßene prozess ist wirklich nicht als absolutum zu sehen, da sich jede Gesellschaft im ständigen Wandel befindet. Aber die Aussage das die
Reichtumsproduktion im Kapitalismus nicht von der Anwendung menschlicher
Arbeitskraft entkoppelt werden kann ist doppelzüngig. Denn wenn 2 arbeiter eine maschiene zum Bsp. im Fensterbau bedienen (die 3 millionen kostet) und dabei aber 64 Arbeitsplätze einspart. Ist zwar die menschliche arbeitskraft nicht entkoppelt aber steht in keinem Verhältniss zu vorherigen Arbeitsplätzen.

im Gegensatz dann diese Aussagen als Lösungsansatz der freien Arbeitskräfte zu bringen siehe folgendes Zitat find ich persönlich nicht nur gefährlich sondern auch faschistisch da sich die super Reichen dann noch mehr die breite Masse als billiges Lust Objekt ihrer perfiden begierden nutzbar machen können, es wird statt sklaventum einfach dienstleistung genannt ie aber am besten nichts kosten darf.

"Wo in der Produktion von Massenprodukten die direkte Anwendung
menschlicher Arbeitskraft sinkt, steigt die eingesaugte Arbeitskraft zur
Produktion anderer Güter, die ehemals oft nicht-kapitalistisch
produziert wurden, an. Das wirkt dem Prozeß der steigenden organischen
Zusammensetzung des Kapitals entgegen und ist in dieser oder anderer
Form schon immer ein Hebel gewesen, freigesetzte Arbeitskraft wieder zu
verwerten. Welche Möglichkeiten diese Entwicklung für das Kapital bieten
kann, bleibt abzuwarten. Klar scheint indes zu sein, daß die
Massenproduktion von Computern und Mobiltelefonen nicht den gleichen
Effekt haben kann, wie ihn die Produktion von langlebigen
Konsumprodukten, wie Autos oder Haushaltgeräten, nach dem Ende des
zweiten Weltkrieges hatte. Ob z.B. die kapitalistische Produktion von
Dienstleistungen eine neuen Zyklus der Kapitalakkumulation eröffnen
kann, ist nicht ausgemacht"

Viel Reichtum ist doch wirklich nur deshalb entstanden das Ressourcen die für alle gereicht haben. nun von wenigen einzelnen dank Rationaliesierung abgegriffen werden.

Ok ich hör hier einfach mal auf da ich momentan nicht die zeit habe das noch weiter auszführen
aber wie sieht es mit der Ethik aus ist das gerecht , ist es gut für das gemeinwohl der gesellschafft und und und .

Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben

Malqueen

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11

Freitag, 10. August 2012, 10:08

Dachte ich wäre in einem Gangsterspielforum, nicht in einer (pseudo-)politischen Diskussionsrunde... :wacko:

Edit: Ach ja stimmt, wie konnte ich vergessen das heute ja selbst Hühnchenburger von Chick-Fil-A fressen politisch ist, um gegen gleichgeschlechtliche Ehen zu protestieren. Ghandi wäre begeistert...
_______________
___________________________...einfach mal die Fresse halten!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Malqueen« (10. August 2012, 11:43)


12

Freitag, 10. August 2012, 11:30