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Stalker

Lone Gunman

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Samstag, 21. September 2013, 19:27

Ich hol dich da raus, Kleines!

'Es ist alles bis ins kleinste Detail durchgeplant', sollte es heißen, doch dieses Unterfangen ist alles andere als organisiert. Keine Zeit. Ein Grundstück, gut bewacht. Mindestens 30 Männer - bis an die Zähne bewaffnet. Ich bin auf mich allein gestellt, habe weder Kenntnisse über das Gebäude, die Sicherheitsvorkehrungen, noch andere nützliche Informationen, die meine Erfolgsaussichten steigern. Mir bleibt keine Wahl. Ich muss es tun, scheitern ist keine Option... ich liebe sie doch.

'Ich hol dich da raus, Kleines', flüster ich mir in Gedanken, während ich meinen Truck in die Einfahrt lenke. Mein Fuß drückt sich auf das Gaspedal, als würde er plötzlich 10 Zentner wiegen. Die plötzliche Beschleunigung, lässt die Räder der hinteren Achse für einen Augenblick durchdrehen, während die Steine nur so aus dem Kiesbett fliegen. Noch bevor ich durch das Eingangstor breche wird das Feuer auf mich eröffnet. Die Kugeln stoßen durch die Windschutzscheibe und der ohrenbetäubende Lärm der Maschinengewehre lässt meinen Kopf für einen Moment aussetzen. Nur wenige Meter schaffte mein Fahrzeug es auf den prunkvollen Vorhof der Villa, da drückt mich ein stechender Schmerz in den Sitz. Meine Kleidung tränkt sich mit meinem Blut. Ich wurde getroffen.

*ein lauter Knall, sich verbiegendes Metall*

Mein Schädel brummt. Ich steige aus meinem schrottreifen Fahrzeug, alles dreht sich. Ich fühle mich wie in einem schlechten Film. Alles geht so schnell, doch ist gleichzeitig so unglaublich langsam. In kurzer Entfernung sehe ich einige Männer auf mich zukommen. Ich führe meine Hand zur Waffe, hebe den Arm... ein nicht enden wollender Kugelhagel.

Ich sterbe.

So sollte es nicht enden. So darf es nicht enden. Schweißgebadet wache ich auf. Nein, so wird es nicht laufen. Ein anderer Weg muss gefunden werden. Still & leise. Mir bleibt nicht viel Zeit. Morgen Nacht gibt es keine zweite Chance. Morgen Nacht werde ich sie befreien.

Es muss funktionieren. Ihr alleiniger Anblick ist es mir wert, für Sie tausende Tode zu sterben.

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Stalker« (22. September 2013, 04:24)


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Montag, 23. September 2013, 00:08

Und wenn die Zeit gekommen ist, wird es kein Zurück mehr geben. Mein Wecker ist auf 03:00am gestellt, doch ich habe bis jetzt kein Auge zugetan. Zu viele Gedanken kreisen in meinem Kopf, zu groß ist die Aufregung. Die Gewissheit im Nacken, man könnte diese Nacht nicht überleben. Kein Morgen mehr, nur noch die Leere um einen herum. Wenn man dieses Gefühl einmal hatte lernt man erst die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Die Luft die man atmet, obwohl sie vom Smog durchsetzt ist. Die zwitschernden Vögel, die einem schon so einige Stunden geruhsamen Schlaf geraubt haben. Selbst der penetrant-anhängliche Bettler an der 32. Straße wird in den eigenen Erinnerungen zu einem netten Zeitgenossen. Wenn ich da lebend rauskomme bekommt der gute Kerl täglich einen Dollar von mir. Auf Lebenszeit. Doch seien wir ehrlich. Der Mensch ist undankbar. Die Wertschätzung für das eigene Leben hält sich in Grenzen & selbst wenn man dem Tod einmal ins Auge geblickt hat, verliert man mit der Zeit die plötzlich gewonnene Dankbarkeit. Keinen Dollar mehr für Karl. Nerv nicht, oder ich jag dir eine Kugel in den Kopf. Ebenso verhält es sich mit den Frauen, die Gewohnheit frisst einen auf. Doch wenn man die Frau gefunden hat, bei der die Liebe und Dankbarkeit für ihre Existenz immer in deinem Kopf mitschwingt, egal wie schwierig die Zeiten sind, dann halte sie fest. Lass sie niemals gehen. 'Ich hol dich da raus, Kleines'.

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Montag, 27. Januar 2014, 02:19

2 Querstraßen von der Villa entfernt parke ich meinen pechschwarzen Cadillac. Sie ahnen nichts, halten diszipliniert ihre Stellung, machen routiniert ihre Rundgänge, schlafen nichtsahnend im Nebenzimmer meiner Zielperson, der anmutigen Frau, für die ich diese Strapazen auf mich nehme, meiner Frau. Was haben sie dir nur angetan? Pete, kleiner unzuverlässiger Pete. Da hast du dich wohl wieder zu lange in den Bars rumgetrieben, dass dich die Müdigkeit einmal mehr in den wohlig warmen Stoff des teuren Markensessel's drückt, nicht? Wenn ich bei dir bin, wirst du keine Zeit mehr haben, mir diese Frage zu beantworten. Schlaf seelenruhig weiter. Du bist die Schwachstelle. Die Lücke im System, dieser vermeintlich perfekt durchorganisierten, uneinehmbaren Festung. Der unzuverlässige Wachmann für mein Guantanamo. Nur das ich rein will & nicht raus. Mein Mädchen, bald bin ich bei dir. Ich habe dir mein Versprechen gegeben, mein Wort als Ehrenmann - als einer der letzten verbliebenen Ehrenmänner dieser trostlosen Gesellschaft. Wenn jemand das weiß, dann du. Die Rede ist von einer Gesellschaft, dessen verwesender Geruch von zerfallenden Wertvorstellungen & staatlich gefördertem Egoismus durch den endlosen Konsum, wie von einem Billigrasierwasser überdeckt werden soll. Doch mich kann man nicht täuschen. Es stinkt. Warte noch, halt aus, bald bin ich bei dir: 'Ich hol dich da raus, Kleines...'

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