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Viciria

Carla Columbia

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Dienstag, 11. März 2014, 00:04

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Schicksal. Der Ablauf von Ereignissen im Leben des Menschen, die als von göttlichen Mächten vorherbestimmt/oder geschickt, oder von Zufällen bewirkt empfunden werden, mithin also der Entscheidungsfreiheit des Menschen entzogen sind.

Wie viel Schicksal steckt wirklich dahinter, hinter dem was passiert, was war und vor allem dem, was kommt. Wir kennen's alle ja; sowas! Sowas passiert MIR nie wieder. & ach, es wird alles besser, wirst schon sehen! Eines Tages... .Ja, eines Tages. Wann soll dieses eines Tages sein? Vielleicht nächsten Montag bitte? Danke.
Da denk ich mir „Großzügig. Nach diesen 19 Jahren.“.
Wenn ich heute zurück denke... als der große Sturm auftauchte und alles verwüstete. Viele Verwundete, viele... unzählige. Manchmal hört man heute noch den ein oder anderen ihre Namen rufen, frage ich mich: ist es Schicksal, dass ich versuchte, die Stadt wieder mit aufzubauen? Selbst durch die Straßen gehe... den Trümmer entsorge, Tote berge und auf Überlebende hoffe. Und eine Zukunft auf das, was es mal war? Eine schöne, glanzvolle, und vor allem stolze (!) Stadt.
Es war kein Schicksal, diesen Schritt zu tun. Es war in meinen Augen nur die einzig logische Konsequenz, der einzig mögliche Weg zu gehen, um aus dieser Lage heraus zu kommen und der Stadt wieder zum neuen Glanz zu erwecken. Nur so konnte es diese Zukunft geben. Ja. Die wir alle herbei sehnten... und dann barg ich dich. Und die Stadt erlebte einen zweiten Frühling.
Dann kam der Winter... Kälte trat ein, und wir waren gerade mal so weit, für alle eine Behausung, ein Dach über den Kopf, ermöglicht zu haben. Wärme? Ich war froh, dass ich den Mann an meiner Seite hatte... der, damit ich nicht vor Bibbern und Klirren erfriere, mir selbst sein letztes Hemd gab, und sich an mich kuschelte, dass ich mir keine Gedanken machen muss.
Vernarrt in den Aufbau der Stadt, in den Gefühlen der Anderen & der verzweifelten Frage nach der Lösung, wie es denn weiter gingen soll, tat ich dies auch nicht.
Ich war vertieft in meinen Träumen, und wachte nicht auf. Den ganzen Winter lang.
Eines Morgens, die ersten Sonnenstrahlen ließen ihr Licht durch die Scheiben gleißen, öffnete ich meine Augen. Ich drehte mich zu dir um, und du, du warst ganz erstarrt, schon halb erfroren. Ich legte meinen Kopf auf deine Brust... leise... Poch, Poch, Poch.
Ein Schreck jagte durch meine Brust, ich wollte dir helfen. Dich aufwärmen, alles für dich tun. Ich dachte nur an dein Wohl. Wenn ich heute an deiner Brust lausche, da hör ich noch manchmal dieses Poch, Poch, Poch. Dieses leise, bedrohliche. Vielleicht bilde ich sie mir ein, vielleicht sind sie einfach nur zu sehr in meinem Gedächtnis verbrannt, zu Narben geworden; und dein Herz erblüht gerade genauso wie meins und sieht in die Zukunft, wie schön alles wird. Jetzt ist der Satz angebracht „Eines Tages...“; denn eines Tages erkennt ein Jeder, dass sich Zeiten geändert haben.
Denn vielleicht gibt es das Schicksal, und der nächste Montag war der Richtige.

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Viciria

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Dienstag, 6. Mai 2014, 22:43

Wie zwei Welten

(1)

Ein Blick ans Ufer verrät mir, dass die Nacht anbricht. Es ist Zeit gekommen, heim zu gehen. Mama sagte immer “Nachts, dann wenn’s Dunkeln hineinbricht, meide die finsteren Schatten, die du nur schwach aus deinen Augenwinkeln wahrnimmst. Sie könnten dir nichts Gutes wollen.”
So gehorsam wie ich bin, halte ich zwischen meinen Fingern meinen Hut, der durch meine geschwindten Schritte mir enteilen will, sich entreißen. Es ist, als wenn er nicht zu mir gehören will.
Ich habe es nicht weit, Gott sei dank. Mich schaudert es bei dem Gedanken, einen der Menschen zu begegnen, die nicht so wie wir sind, heißts.

“Schau, der Mond. Komm.” - “Ist es nicht zu früh?”
Es ist ein Gefühl wie ein Nachthemd aus Seide, als ich den ersten Schritt, nach den mir endlos erscheinenden Stunden auf den harten, kalten Boden, hinaus in den Sand mache, so genieße ich den ersten Luftzug, der mir entgegen weht und atme tief ein.
Jetzt kann für mich der Tag beginnen.
Ein paar Schritte weiter gelange ich auch schon bald an die notdürftig eigenhändig gebaute Treppe, wenn man sie denn so nennen kann, und gehe hoch zum gepflasterten Weg. Auf meinem Weg ins Stadtinnere begegnen mir trotz Einbruch der Dunkelheit ein, zwei Menschen, die mich mit ihren Blicken entwürdigen, mir das Gefühl eines Menschen entrauben.

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Als die Sonne mehr als nur meine Nasenspitze mit ihren wärmenden Strahlen berührte, wachte ich auf. Wie jedes braves Mädchen stand ich gleich auf, machte mein Bett. Ging in den Waschraum, und frühstückte eine Portion Rührei, dazu Vollkornbrot mit Butter mit meinen Eltern.
Wie jeden Morgen gab ich meinem Daddy einen Kuss auf die Wange, während er versunken im Wirtschaftsteil der heutigen Zeitung liest.
Nachdem jeder seine Mahlzeit zu sich nahm, und ich die Erlaubnis hatte, aufzustehen, zog ich meinen Mantel an, um meinen morgendlichen Spaziergänge nachzukommen.
Ich öffnete die Tür und wurde geblendet von den gleißenden Sonnenstrahlen, die mir in die Tür fielen.

Heute ist wieder ein Tag an dem ich mich rauswage. Ich weiß, dass ich es mir sicherlich irgendwo reinrede. Denn aus anderer Sicht bin ich wieder gezwungen, einen Schritt in die Menschheit zu wagen.
Meine Knöchel berühren für eine Millisekunde das Holz, ehe sie zu einer Klopfbewegung ausholen und das 3 Mal hintereinander wiederholen, bevor ich den Arm wieder hinunter an meinen Körper nehme und einen Schritt zurück gehe. Ein paar Sekunden später wird mir auch schon die Tür geöffnet. Wie ich das herzliche Lächeln vermisst habe, das er mir schenkt.

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Viciria

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Mittwoch, 7. Mai 2014, 11:47

(2)
Ich folge den gepflasterten Steinen, mit einem Lächeln im Gesicht, Richtung Stadtäußerne. Dorthin, wo die Steine ins Kies entweichen, weiter in hauchdünn mit Sand bedeckten Weg, bis ich zu einem schmalen Pfad gelange. Umgeben von blühenden Feldern, die einen bei ihrem Anblick in wohlwollenden Gedanken versinken lassen, weiß ich, dass ich bald, am Ende des Pfades, an meinem Ziel gelangt bin.

Ich nehme Platz und lehne den mir angebotenen Kaffee dankend ab. Lieber einen Tee, sage ich.
Auch wenn mir beim Fallen des Wortes Kaffee wortwörtlich der Speichel im Mund zusammenläuft, weiß ich, dass heißer Kaffee die Speiseröhre hinab hinunter zum Magen, ihm’s nicht bekommt, wenn das erste, was er seit einer Weile schmeckt, der bitterstarke Reiz des inhaltenen Koffein’s ist.

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Ich trete zur Tür in den Hofladen hinein und werde empfangen vom lieblichen Duft frischen Obstes während meine Ohren das Schrillen der Türklingel vernehmen, das durch mein Betreten ausgelöst wurde.
“Ich komme gleich!”

Ich sehe noch wie sein Schatten durch den Türrahmen verschwindet. Mit schnellen Schlücken nehme ich die letzten Reste des langsam kalt gewordenen Tee’s zu mir, stelle die Tasse kaum hörbar zurück auf den hölzernen Tisch, den ein rot-weiß kariertes Tuch schmückt. Ich packe mir meinen Rucksack wieder mit einem kräftigen Hieb auf den Rücken, und werfe meinem Beagle einen Blick zu, der ihn wissen lässt, dass wir jetzt ruhig sein müssen.
Leise knarzend, aber noch leise genug, dass es niemand hört, schließe ich die Tür hinter mir und Bob.
Ich möchte niemanden in Schwierigkeiten bringen.

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Mittwoch, 7. Mai 2014, 21:34

(3)
Ein bäuchiger Mann betritt durch die Tür zur Wohnstube das Ladeninnere und kommt hinter der Theke hervor, und begrüßt mich, mit seinen Händen an meinen Ellbogen gefasst einen Schritt von mir entfernt. Durch die Nähe, die der Mann zu mir hält, nehme ich einen Hauch Kaffeegeruch wahr, das beim Sprechen aus seinem Mund entweicht, während ich ihm freundlich zulächle und eine flüchtige Umarmung schenke.

Ich nehme den Weg durch den dichten Wald. Normalerweise begegnet mir hier keine Seele, und so kann niemand ahnen, woher ich gerade komme.
Ich bin dankbar für die regelmäßige Zusammenkunft, es ist eine nette Abwechslung im Gegensatz zu meinem tristen Alltag, der bestimmt ist aus Hoffnung und Bange um unser Überleben und den weiteren Verlauf.
Zurück in der Stadt, auf dem Marktplatz angekommen, platziere ich mich an meiner üblichen Stelle, am Rande der Händler, die ihre Ware, von weit her, an die Bürger der Stadt loswerden wollen.
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Zuhause angekommen, werde ich gleich mit der lieblichen Stimme meiner Mom empfangen, die mich im selben Atemzug fragt, ob ich ihr die Äpfel hätte mitgebracht, worum sie mich gebeten hat.
Nachdem ich ihr den Korb überreichte, warf ich noch einen letzten Blick auf die grünen Äpfel, die durch das einwerfende Sonnenlicht einen Glanz verliehen bekommen, der sie nahezu perfekt erscheinen lassen, ehe ich mich zur Treppe begebe, um in mein Zimmer zu gelangen.
Ich rücke mir den Stuhl, der am Schreibtisch steht, zurecht, um Platz zu nehmen und schlage mein Buch auf, um mir weitere Französischkenntnisse zuzulegen.

Ein paar Stunden später, und nur wenige Groschen reicher, streichel ich meinen seelig schlummernden Hund neben mir langsam wach, sodass wir passend zur Dämmerung aufbrechen können und heimkehren. Vorher leiste ich mir bei einen der übrig gebliebenen Händler, der noch nicht wie die anderen seinen Stand abgebaut hat, ein Brot, um dass in der Nacht unsere Mägen nicht wieder mit Bob im Wettstreit knurren.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Viciria« (7. Mai 2014, 21:37)


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